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Call for Papers | Herbsttagung „Psychoanalytische Pädagogik“

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Published on Monday, 20 February 2017

Herbsttagung der DGfE-Kommission „Psychoanalytische Pädagogik“,13.–14. Oktober 2017 Universität Luxemburg (Campus Belval)

„Was nennen wir Subjekt?
Ziemlich genau das, was in der Entwicklung
der Objektivierung außerhalb des Objektes liegt“
(Lacan: Se 1. 218).

Das Unbehagen im und mit dem Subjekt in bewegten Zeiten

Die Psychoanalyse hat eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der modernen Subjektivität gespielt. Das bewusste Ich ist nicht mit dem unbewussten Subjekt identisch, und somit ist der Mensch nicht Herr im eigenen Haus, wie Freud aufzeigt. Die Tatsache, dass der Mensch trotzdem verantwortlich ist für das eigene Unbewusste, stellt eine ethische Herausforderung dar. Wie kann die Psychoanalyse das Subjekt in seiner Singularität weiterhin unterstützen angesichts des heutigen Unbehagens und der Wandlungen in denen sich unsere Zivilisation zu befinden scheint?

Sich wandelndegesellschaftliche Kontexte und Diskurse zum Mensch - und Subjektseinfordern Forscher und psychoanalytisch arbeitende Pädagogen heraus. Solche Herausforderungen lassen sich exemplarisch auflisten:

  • Neoliberale Gesellschaftsstrukturen fordern zum Genießen auf, produzieren durch die Fülle an Konsumgütern jedoch einen Mangel am Mangel. Damit wird das Individuum zumindest teilweise davon abgehalten, sich als Subjekt des Begehrens zu konstituieren.
  • Die Terrorismusgefahr und die Flüchtlingsproblematik haben während der letzten Monate Veränderungen von Subjektivität produziert. So pochen wir nun z.B. vielfach auf das Recht, vom Fremden nicht gestört zu werden. Wie können psychoanalytische Ansätze helfen, Angst vor dem Fremden und der Fremdheit aufzuarbeiten?
  • Wie entwickeln sich Jungen und Mädchen in der Familie unter Berücksichtigung der veränderten sozialen Rahmenbedingungen? Wie kann man Jugendlichen bei der Entwicklung der eigenen geschlechtlichen Position zur Seite stehen?
  • Wie definieren sich pädagogische Fachkräfte angesichts pluralisierter Lebensentwürfe hinsichtlich der Wertevermittlung? Welche ethischen Impulse kann die Psychoanalyse geben?
  • Wie wird die Subjektentwicklung unterstützt, womöglich manipuliert, wenn pädagogische Organisationen konfessionell ausgerichtet sind? Wie kann man Klienten und Praktiker im Umgang mit Fremdheit /Entfremdung unterstützen, und wie hilft man ihnen dabei, Positionen zu bewerten, die sie diskursmäßig und in Übertragungsprozessen einnehmen?
  • Welche Bedingungen sind Voraussetzung für die Subjektbildung in hoch erschwerten Lebenslagen? Wie können wir Settings entwickeln, damit Jugendliche sich im Gespräch und aufgrund von Übertragungsprozessen ihrer Widerstände und Wiederholungen bewusst werden, um freier ihrem Begehren nachzugehen?

Diese Formen der Subjektivierung fordern alle Akteure in Familie, Schule, Therapie, Wissenschaft und Politik heraus. Prozesse der Abschirmung, der Verleugnung des Realen, der Verrechtlichung, der Psychologisierung und der Prävention sind die Folge. Immer neue Technologien im Dienste der Biopolitik, neue Klassifikationen von Störungen entstehen mit der Tendenz, Subjektivität zu homogenisieren.

Für diepsychoanalytische Theoriebildungergeben sich aktuelle Fragen, die bislang weitgehend unbeantwortet geblieben sind:

  • Um welches Subjekt geht es in der Psychoanalyse? Wie ist es möglich, wissenschaftlich von einem unbewussten Subjekt zu sprechen?
  • Wie manifestiert sich das Subjektverständnis im Forschungsdesign?
  • Welchen Einfluss kann das psychoanalytische Verständnis vom Subjekt auf heutige Bildungs- und Erziehungsprozessen haben?
  • Wie situiert sich in diesem Kontext die freudianische und postfreudianische Sicht vom Individuum als geteiltes bzw. plurales Subjekt und als Subjekt des Begehrens, das zudem noch unbewusst ist?
  • Wie innovativ muss psychoanalytisches Arbeiten sein, um dem unbewussten Subjekt als Garant von Freiheit und Kreativität Raum zu gewähren?
  • Bedürfen Konzepte des Szenischen Verstehens einer Re-Formulierung angesichts der Pluralität von Lebenslagen und Lebensentwürfen?

Folgende Programmformate sind geplant:


  • Arbeitsgruppenvortrag 40 min (25 min Vortrag, 15 min Diskussion)
  • Workshop/Fallarbeit (90 min)
 


Abstracts (max. 300 Wörter) und eine kurze Biographie sind bis zum

15. Mai 2017 (verlängert!!) zu richten an: tagung-subjekt@uni.lu

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Jean-Marie Weber
Universität Luxemburg
Campus Belval
11, porte des Sciences
L-4366 Esch-sur-Alzette
Tel.: +352 46 66 44 6260
E-Mail: jean-marie.weber@uni.lu

 

Call for Papers als pdf-Version.