Projekt: Wortbildung
Historische Wortbildung des moselfränkisch-luxemburgischen Raumes (WBLUX)
- Tandemprojekt unter Leitung von Prof. Dr. Heinz Sieburg (chef de projet) und Prof. Dr. Peter Gilles
- unter Mitarbeit von Britta Weimann u.a.
Trotz einer weit mehr als 1000-jährigen Schriftüberlieferung im moselfränkisch-luxemburgischen Sprachraum fehlt bis heute eine wissenschaftlich angemessene Darstellung dieses sprachhistorisch-linguistisch überaus interessanten Areals. Dies gilt sowohl für die diachrone Erschließung des rezenten Lëtzebuergeschen wie auch für dessen moselfränkische Vorstufe. Ziel des Projektes ist es, diese Forschungslücke zu schließen, indem eines der wichtigsten und derzeit aktuellsten Gegenstandsbereiche, nämlich die Wortbildung, zum Untersuchungs-gegenstand gemacht wird.
Im Rahmen einer Korpusanalyse soll das Lëtzebuergesche (als Sprachvarietät ab dem 19. Jh.) und das Moselfränkische des altluxemburgischen Raumes als dessen Vorläufervarietät untersucht werden. Als beschreibungsadäquat erscheint dabei ein Zwei-Phasen-Modell. Phase 1 hat die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Vorausbedingungen zu erfassen, Phase 2 die moderne Entwicklung seit der Nationalsprachwerdung. Die Zielstellung des Projektes setzt von vorneherein und zwingend ein interdisziplinäres Zusammenwirken der Germanistik (Phase 1) und Luxemburgistik (Phase 2) voraus.
Wortbildung, verstanden als kreativer und regelgesteuerter Akt der Neukonstruktion von Wörtern aus vorhandenem morphologischen Material, zählt zu den wichtigsten Funktionsgrößen der Sprachentwicklung, weil hierdurch ein Instrument gegeben ist, die sich stetig wandelnden kommunikativen Erfordernisse zu bewältigen. Systemisch rangiert die Wortbildung zwischen den Ebenen der (reinen) Morphologie und der Syntax, wobei gleichzeitig eine prozessive (Wortbildung im engeren Sinne) wie resultative Komponente (im Sinne von Wortgebildetheit) unterschieden werden kann.
Gerade aufgrund dieser Zwischenstellung und Aspektvielfalt wurde die Wortbildungsforschung innerhalb der Germanistik in den letzten Jahren zu einem der innovativsten und am stärksten bearbeiteten linguistischen Forschungsfelder. Der so ausgelöste ‚Wortbildungsboom’ konzentrierte sich dabei zunächst auf die gegenwartssprachlich synchrone Wortbildung, greift aber aktuell zunehmend auch auf die historische Sprachforschung aus.
Auf den hier entwickelten Konzepten basiert die vorliegende Untersuchung. Ihre Ergebnisse sollen dabei auch Teil einer noch zu schreibenden Gesamtsprachgeschichte des Luxemburgischen sein.









