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Vortragsreihe: „Sag, wie hast du’s mit der Religion“–mit Gott?

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Published on Thursday, 26 October 2017

„Niemand hat Gott je gesehen“, steht bei Johannes 1,42. „Gott ist tot“, sagt Nietzsche. „Nur ein Gott kann uns retten“, ruft Heidegger. Gott ist der unbedingte Sinn- und Abgrund, argumentiert Tillich. Gott hat sich entleert, antwortet Vattimo, der Meister des schwachen Denkens.

Im Rahmen des Vortragszyklus der Arbeitsgruppe „Geisteswissenschaften und Religion“ der Universität Luxemburg wollen wir uns im Studienjahr 2017/2018 auf verschiedenen Wegen dem Wort und der Vorstellung von „Gott“ nähern.

Die Schwierigkeit dieser Annäherungen zeigt sich schon in der Erzählung aus dem Buch Exodus 3,14, wo Jahwe auf die Frage nach seinem Namen antwortet: „Ich bin der ‚Ich bin da‘“. Heißt das, dass wir letztlich auf ein unbegreifliches Reales treffen, das unterschiedlich zu deuten ist?

Ich brauche keinen Gott; mir fehlt er nicht, sagen die einen. Für andere ist der Gedanke unerträglich, wenn sich Täter wie Hitler oder Stalin, aber auch manche religiösen Führer nicht vor einem Gott der Gerechtigkeit für ihre Taten verantworten müssten und einfach genauso zu Staub zerfallen würden wie die ermordeten und versklavten Mitmenschen.

Die Auseinandersetzung des Menschen mit Gott, die Versuche der Entmythologisierung, all das bestimmt unser heutiges Denken. Ist Gott aber erst einmal abgeschafft, entwickelt die entstandene Leere einen Sog der „Wiederkehr“ des Numinosen in unterschiedlichsten Formen, der Götter und selbst der Metaphysik. Realersatz ist schon vorhanden. Dabei werden nicht unbedingt nur die alten Götter wieder auf ihre Sockel gehievt. Am Ende der Aufklärung stehe, so Max Frisch, das goldene Kalb. Und Robert Daniel Dufour warnt vor dem „divin marché“, dem göttlichen Markt. Oder hat der Neoliberalismus etwa Interesse daran, dass Gott ‚out’ ist und privatisiert wird?

Es geht uns nicht einfach nur um die Frage nach der (Nicht-)Existenz Gottes, sondern auch um die Diskussion sinngebender epistemologischer Ansätze der Naturwissenschaften, der Theologie, Philosophie und Psychoanalyse, um die Frage nach dem Bezug zwischen Sein und Sprache und um die Positionen des Idealismus, des Dualismus, des Naturalismus und des Materialismus zur Gottesfrage.

Es scheint uns sinnvoll, einen Freiraum zu schaffen, um über die Bedeutung weltanschaulicher Diskurse und den Platz eines „homo religiosus“ im säkularen Kontext der Moderne nachzudenken und uns auszutauschen. Dieser Freiraum befindet sich dabei jenseits von religiösen Institutionen wie den Kirchen und anderen weltanschaulichen Gruppen. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehören Gerhard Beestermöller, Jean Braun, Roger Davids, Christian Hourscht, Alexander Löhle, Christian Meyers, Jennifer Pavlik und Jean-Marie Weber.

Die Vorträge sind so gestaltet, dass auch verständlich wird, wie die Forscherinnen und Forscher selbst mit der Frage nach Gott, dem Sinn und dem Ganzen der Wirklichkeit gerungen haben, welche Antworten sie geben und wie sie sich selbst in diesem Bezug sehen.

Es geht uns weiterhin auch ganz konkret um die Fruchtbarkeit und die Gefahren von Gottesbildern und deren Bezug zum Menschenbild. Schon Genesis 1,27 thematisiert, welches Unheil verzerrte Gottesbilder anrichten können und Tilman Moser bestätigt dies in seiner klinischen Arbeit.

Intention der Arbeitsgruppe Geisteswissenschaften und Religion

Es scheint uns sinnvoll, einen Freiraum zu schaffen, um über die Bedeutung weltanschaulicher Diskurse und den Platz eines „homo religiosus“ im säkularen Kontext der Moderne nachzudenken und uns auszutauschen. Dieser Freiraum befindet sich dabei jenseits von religiösen Institutionen wie den Kirchen und anderen weltanschaulichen Gruppen. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehören Gerhard Beestermöller, Jean Braun, Roger Davids, Christian Hourscht, Alexander Löhle, Christian Meyers, Jennifer Pavlik und Jean-Marie Weber.

Vorträge:

25.10.2017: Prof. Dr. Georg Mein (Universität Luxemburg): “...und fürchterlich schien ihm das Wesen, das über den Wolken waltet.” (Campus Belval, MSA, Raum 3.370)

16.11.2017: Lambert Schlechter (écrivain et ancien professeur de philosophie, Luxembourg): Extraits du Journal intime de Dieu.

07.12.2017: Jean-Jacques Flammang, bachelier et lic. phil. (Paris): Pourquoi et comment la philosophie théorique reparle de Dieu.

10.01.2018: Bezüge zu Gott. Gesprächsrunde mit Prof. em. Dr. Gerhard Beestermöller (LSRS und Friedensinstitut Hamburg), Alexander Grodensky (Rabbiner, Esch/Alzette), Jean Leyder, lic. théol. und André Hoffmann (ancien professeur de philosophie).

07.02.2018: Prof. Dr. Peter C. Hägele (Universität Ulm): Kann man als Naturwissenschaftler an Gott glauben?

22.02.2018: Paul Rousseau : Le Grand Architecte de l’Univers – l’évolution du concept dans la franc-maçonnerie luxembourgeoise.

07.03.2018: Dr. phil. Karl Heinz Witte (München): „Gott – der wird und ent-wird“: Meister Eckharts Predigt ‘Nolite timere‘. Nachdenken über seine Gotteslehre.

19.04.2018: Dr. Jean-Pierre Lebrun (psychiatre et psychanalyste, Namur): Le destin de Dieu.

15.05.2018: Prof. Dr. Hans Joachim Höhn (Universität zu Köln): Gottes Fremde. Die Provokationen einer „theologia negativa“.

20.06.2018: Prof. em. Dr. Robert Theis (Universität Luxemburg): Die Vernunft und ihr Gott. Zur philosophischen Theologie bei Kant.

Ab dem 16.11.2017 finden alle Vorträge von 19:00 bis 21:00 Uhr auf dem Campus Limpertsberg (Raum BSC E00 003) statt.

(Flyer zur Vortragsreihe als Download).

Kontakt:

Dr. Jean-Marie Weber
Campus Belval
Maison des Sciences Humaines
11, Porte des Sciences
L- 4366 Esch-sur-Alzette
jean-marie.weber@uni.lu