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Bis 27. November im Kino: “Orangerie”

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Published on Tuesday, 19 November 2013

Seltene Einsichten in den Alltag der Luxemburger Psychiatrie liefert der Dokumentarfilm “Orangerie”, ein gemeinsames Projekt von Filmemacherin Anne Schiltz und Historiker Prof. Benoît Majerus von der Universität Luxemburg. Drei Fragen an Prof. Majerus.

Herr Majerus, Sie sind Historiker – warum interessieren Sie sich so stark für die Luxemburger Psychiatrie?

Als Historiker gibt es zwei Gründe, warum ich mich für Psychiatrie interessiere: Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehört die Psychiatrie zu den Wissenschaften, die in der westlichen Welt sehr stark "normale" Identitäten definieren. Wie soll sich eine eine Frau oder ein Mann benehmen? Ab wann ist das Verhalten eines Kindes oder eines Jugendlichen besorgniserregend? Wo liegt die Grenze zwichen natürlichen und pathologischen Entwicklungen des Alterns? Wie soll ein Mensch auf Veränderungen (Migration, Krieg...) reagieren?

Die Psychiatrie ist natürlich nicht die einzige Institution, die diese Normen festlegt. Sie steht im Konkurrenzkampf mit anderen Disziplinen. Aber bis heute erhebt sie diesen Deutungsanspruch, und die Gesellschaft kennt ihre diese Rolle auch zu.

Wie kam es zu der Idee, einen Film über den Alltag von Psychiatriepatienten zu drehen, und zum Kontakt mit Dokumentarfilmerin Anne Schiltz?

Anne Schiltz kenne ich bereits seit längerem. Nach zwei Dokumentarfilmen über Rumänien wollte sie ein luxemburgisches Thema angehen. Bei mir gab es den Wunsch, meine Geschichte(n) über Psychiatrie nicht nur über das Buch oder den Artikel zu erzählen, sondern ein anderes Medium zu benutzen.

Frau Schiltz und Sie haben für die Dreharbeiten vier Monate lang, verteilt über drei Jahre, in der Ettelbrücker Psychiatrie gelebt und den Alltag mit Patienten und Personal geteilt. Was hat Sie am stärksten bewegt in dieser Zeit?

Ich kann das nicht in einigen Sätzen zusammenfassen, weil die Eindrücke so vielfältig waren: die "Normalität" der Patienten, die Last der Routine, der menschliche Umgang zwischen Patienten und Personal im Alltag, die Anzahl der geschluckten Pillen... so entstand ein ganz ambivalentes Bild, das hoffentlich auch so im Kino rüberkommt.

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Zu sehen im Kino UTOPIA noch bis 27. November.